Magie, Mystik und Moderne

Religionstheorie nach Max Weber

Wie ist das rätselhafte Verhältnis zwischen Endlichem und Unendlichem? Worin besteht seine individuelle und gesellschaftliche Bedeutung? Dies erkundet der Autor in einer Synthese verschiedener Disziplinen, einer Kombination sich bisweilen widersprechender Perspektiven und Methoden.

Magie, Mystik und Moderne

Die gedanklich-symbolische Hochzeit von Himmel und Hölle macht jene in außeralltäglichem mystischen Erkennen wie in metaphysischer Anomie bzw. Regellosigkeit erfahrbaren unendlichen und unwahrscheinlichen Wirklichkeiten anschaulich (mit 14 s/w Abbildungen) sichtbar.

Daß die Doppelgesichtigkeit von Verzückung und Grauen bereits in magischen Ritualen von Stammesgesellschaften auftaucht, zeigt der Autor an drei ethnologischen Studien, z.B. seiner eigenen Pionierarbeit über das Hairufen in Neuirland. In weiteren empirischen Arbeiten, etwa über christlich-orthodoxe Einsiedler in Äthiopien, auf dem Berge Athos, ebenso wie in zahlreichen historischen und systematischen Überlegungen entwickelt er die Vielfalt des ambivalenten Musters bis in die Gegenwart. Zudem erklärt er ausführlich und verständlich, dass sich die geheimnisvolle Seltenheit und komplexe Seltsamkeit dieses irrationalen, intuitiven Empfindens – wie bei Träumen – nur mit einer neuen rationalen Theorie angemessen beschreiben läßt. Jedoch einer, die den von Immanuel Kant dargestellten archetypischen Verstand einbezieht, der im Erkennen des aktuell Unendlichen (im Sinne Georg Cantors) aufblitzt.

Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive erscheint die Gegenwart als ein grell-buntes Kaleidoskop funktionaler Kommunikationsweisen mit einer Vielzahl sich ein- und ausschließender Widersprüche – beherrscht vom potentiell Unendlichen des immer mehr. Wie in dieser Welt der Moderne, der buntgesprenkelten Individuen neue, reale wie mediale Formen magischen, mystischen Erlebens und Handelns entstehen, entfaltet der Autor in zahlreichen nuancierten Betrachtungen. In konkreten Analysen, z.B. zu literarisch-dokumentarischen Figuren F.M. Dostojewskijs, zu Vincent van Gogh, Friedrich Nietzsche und Jim Morrison zeigt er, wie risikoreich so viel Abweichung von der Normalität ist, um die erfahrenen Widersprüche zu mystischer Einheit und Schönheit zusammen zu schauen und deren Gestaltung erfolgreich in der Gesellschaft, auf dem Markt oder in den Medien zu präsentieren.

Phönixhafte Möglichkeiten stehen am Ende des Buches. Mit unterschiedlichen Formen des Unendlichen deutet der Autor die thermodynamische Umkehr individueller Ereignisse und versucht so, die Vielfalt traditioneller Unsterblichkeitsgedanken heute diskutierbar zu machen. Sei es im Hinblick auf ihre mystischen Grundlagen wie ihre metaphysischen Sehnsüchte, sei es im Hinblick auf Versuche, sie vollständig zu entzaubern und mittels moderner Anstrengungen innerweltliche Formen der Zeitverzögerung und Unsterblichkeit zu erzeugen.

Das Buch zeigt so – im Anschluß an Max Weber – den entzauberungsfesten Prozeß, durch den trotz aller Entzauberungen immer wieder die Grundlagen für Formen religiöser Kommunikation entstehen können – bis hin zum gegenwärtigen Fundamentalismus. Ein Spektrum mystikförmiger, mystischer Einheit und metaphysischer Lücken bzw. Anomien (im Sinne E. Durkheims), wie deren vielfältig interpretier- und thematisierbare unwahrscheinliche, unendliche Wirklichkeiten und Möglichkeiten. Mit dieser Begrifflichkeit knüpft der Autor nicht nur einen gedanklich-symbolischen Faden durch das Labyrinth von Magie, Mystik und Moderne. Zugleich erschließt er so zumeist verstellte Alternativen heilsamen, heilenden Erlebens und Handelns. Bis hin zu der prinzipiellen eines umrißartig auftauchenden mystischen Lebensstils, der trotz aller Hindernisse auf ein verborgenes Land scheinbar unerschöpflicher Fülle und Inspiration verweist: das des Unendlichen.

Über dieses Werk

 

Magie, Mystik und Moderne

ZERO-Verlag

520 Seiten, 14 Abbildungen, gebunden

farbiger Schutzumschlag

59 Euro

ISBN 3-00-010444-5

www.amazon.de

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